Schwaikheim, Bittenfeld, 3.10.2025

Stellungnahme zum Prozess „Seelsorge in neuen Strukturen“ der Gemeinde Schwaikheim/Bittenfeld

An die  Projektgruppe „Seelsorge in neuen Strukturen“

Sehr geehrte Frau Oeben, sehr geehrte Frau Strifler, sehr geehrter Herr Zilk,

mit großem Interesse und reger Anteilnahme verfolgen wir in unserer Gemeinde das Projekt „Seelsorge in neuen Strukturen“. Es ist gut, dass die Zukunftsthemen wie veränderte Bedeutung der Kirche in der Gesellschaft, sinkende Mitgliederzahlen und Finanzen angegangen werden. Dies erfordert zwangsläufig Änderungen in Strukturen. Die Bedeutung von Glauben und Spiritualität hat sich verändert und wir wollen unseren Glauben auch in Zukunft leben und zu den Menschen bringen.

Wir sind bereit, den zwingend erforderlichen Prozess der Umstrukturierung bei uns vor Ort mitzugestalten und unsere Gemeinden in eine gute Zukunft zu geleiten. Damit dies gelingt, haben wir hier die aus unserer Sicht erforderlichen Randbedingungen benannt. Wir hoffen, dass die Vorschläge und die dahinter liegende Motivation Eingang in den Prozess finden.

Unsere Kirchengemeinde mit 2600 Mitgliedern verfügt über zwei Kirchenstandorte, St. Maria Hilfe der Christen in Schwaikheim und St. Martin in Waiblingen-Bittenfeld. Seit drei Jahren sind in der Vakanz und werden vom Administrator Pfr. Beck aus Backnang betreut. In der Seelsorgeeinheit mit Winnenden und Leutenbach gibt es einen guten Austausch und ein gute Zusammenarbeit. Das Gemeindeleben vor Ort wird zum großen Teil von Ehrenamtlichen getragen. Es gibt eine lebendige Kultur der Gottesdienste mit vielen Wortgottesdienstleitern. Auch in den umliegenden Pflegeheimen sind sie im Einsatz.

In unserer Seelsorgeeinheit Winnenden/Schwaikheim/Leutenbach haben wir eine starke Jugendarbeit, die von einer Jugendreferentin organisiert und unterstützt wird. Diese wird aus unseren Zuweisungen finanziert. In jedem Jahr bilden wir 20 Jugendliche zu Gruppenleitern aus, die die Basis für die Aktionen und Freizeiten bilden. Sie sind auch aktiv bei der Katechese wie der Erstkommunionvorbereitung und Firmung. Dazu haben wir vor 22 Jahren die Marke Jukks (www.jukks.de) begründet.

Wir sind eine aktive Gemeinde und wollen in Zukunft zusammen mit den Gemeinden Leutenbach und Winnenden das kirchliche Leben in den aufkommenden größeren Raumschaften lebendig gestalten. Es ist richtig, dass die Raumschaften größer als die heutigen Strukturen werden. Es ist aber darauf zu achten, dass die spezifischen Bedürfnisse vor Ort berücksichtigt werden. In der Umstrukturierung liegt auch die Chance, die Strukturen an die Erfordernisse der heutigen Zeit anzupassen. Wir können dann in Zukunft mit den Menschen im Glauben unterwegs sein.

Bei einer Zusammenlegung mehrerer Seelsorgeeinheiten streben wir die Zusammenarbeit mit der Seelsorgeeinheit Backnang an. Hier gibt es über unseren Administrator Pfr. Beck und das Pastoralteam bereits eine gelingende Verbindung. Die Gemeinden Leutenbach und Winnenden bevorzugen ebenfalls eine solche Verbindung.

Im Folgenden finden Sie unsere Stellungnahme mit aus unserer Sicht notwendigen Aspekten und den Hintergründen sowie Lösungsvorschlägen damit die Strukturreform gelingt.

  1. Die einzelnen Kirchorte müssen in der größeren Einheit im Leitungsgremium /Kirchen-gemeinderat der Raumschaft vertreten sein. Daher ist eine unechte Teilortswahl erforderlich, damit aus jedem Kirchort ein Vertreter dabei ist. Dies verhindert, dass kleine Gemeinden wegrationalisiert oder übergangen werden. Das ehrenamtliche Engagement vor Ort wird gestärkt, da es lokal eine starke Identifikation mit dem Ort gibt.
  2. Um die Pfarrer und die pastoralen Mitarbeiter für die Seelsorge, Kasualien und Liturgie zu entlasten, sollten sie von Leitungsaufgaben entlastet werden. Die Leitung sollte daher entsprechend Modell 2a Leitung mit Pfarrbeauftragtem oder 2 b Leitung mit Pfarrbeauftragtem Team erfolgen. Dabei sollte das Team nicht auf Personen mit Theologiestudium beschränkt sein, sondern für geeignete Personen aus anderen Berufsgruppen offen sein. Ob die Leitung über ein Team oder eine Einzelperson erfolgt (2a ode2b) ist vor Ort zu entscheiden.
  3. Das Glaubensleben wird stark über die persönliche Bindung von Menschen getragen. Daher ist eine Stabilität in der Beziehung zwischen dem Pastoralteam und den Menschen erforderlich. Die bisher in unserer Seelsorgeeinheit gelebte Praxis mit den pastoralen Ansprechpersonen hat sich sehr bewährt. Umso mehr ist dies bei größeren Raumschaften erforderlich. Einige Themen sollten überregional behandelt werden, wenn diese Ressourcen schont und zu besseren Möglichkeiten z.B. aufgrund Gruppengröße führt. Bei uns haben sich Jugendarbeit und Firmvorbereitung als ein solches Feld bewährt. Weitere Aktivitäten gehen Richtung Taufkatechse und Erstkommunion auf Basis der Seelsorgeeinheit. Zwischen territorialer und kategorialer Zuordnung muss eine Balance bestehen. Dies muss vom Leitungsgremium definiert werden und darf nicht aufgrund von Hierarchie und Personalverantwortung vorgegeben werden.
  4. Die jetzigen Gemeinden/Seelsorgeeinheiten müssen ein definiertes, eigenes Budget in eigener Verantwortung erhalten. Damit soll sichergestellt werden, dass die lokalen Schwerpunkte weiter unterstützt werden können z.B. die Finanzierung der Jugendreferenten im bisherigen Raum der Seelsorgeeinheit.
  5. Die bisherigen Rücklagen sollten bei den Ortskirchen verbleiben bzw. diesen zugeordnet werden. So wird ein verantwortungsvoller Umgang damit gefördert und es entsteht keine Mentalität, „die anderen zahlen schon, wenn ich laut genug bin“. Die Pflege der Einrichtung vor Ort wird gefördert, da sie ja mit „unserem“ Geld instand gehalten werden muss.
  6. Die Verteilung der Zuweisungen an die einzelnen Ortskirchen sollte sich im weitesten Sinne an den Mitgliederzahlen und vorhandenen Einrichtungen wie Kindergärten wie bisher orientieren. Es ist natürlich eine schwierige Bewertung, was als „gerecht“ empfunden wird, vor allem, da die insgesamt zu verteilenden Ressourcen in den nächsten Jahren deutlich sinken werden. Das starke ehrenamtliche Engagement vor Ort darf nicht an fehlenden (fehlgeleiteten?) finanziellen Ressourcen scheitern.
  7. Die Verteilung der Ressourcen ist ein schwieriger Prozess und wir müssen darauf achten, dass Konflikte um die Verteilung der Ressourcen nicht das gedeihliche Miteinander und die gute Zusammenarbeit zerstören. Hier ist Unterstützung von der Diözese und vom Dekanat gefragt (Moderation, Mentoren, Schulung, persönliches Coaching, Supervision….). Dazu benötigen wir Angebote und Kontakte.
  8. Der Zusammenschluss sollte, zumindest für unsere Gemeinde, als Fusion (K2) erfolgen. So wird der Integrationsprozess gestärkt und eine neue gemeinsame Identität kann entstehen. Dabei können alle gleichberechtigt ihre Visionen und Schwerpunkte einbringen. In anderen Gemeinden kann auch eine Union (K1) der sinnvollere Weg sein. Hier sollte individuell nach den Gegebenheiten vor Ort entschieden werden können.
  9. Die Einstellung von Verwaltungsbeauftragten halten wir für eine dringend notwendige Erweiterung. Zu beachten ist, dass eine Verwaltungsperson in einer zukünftig großen Raumschaft nicht an jedem Ort präsent sein kann. Sie kennt die lokalen Gegebenheiten und Gebäude nicht und kann sich nicht um Reparaturen, Beauftragungen, Bauüberwachung und Abnahme kümmern. Hierzu sind Beauftragte vor Ort erforderlich, die in einem definierten Umfang Aufgaben vom Verwaltungsbeauftragten übernehmen. Zu beachten ist, dass Abstimmungen oft in den Abendstunden erfolgen, da die meisten Aktivitäten vor Ort von Ehrenamtlichen erfolgen und diese in der Regel tagsüber einem Beruf nachgehen. Das kann eine Verwaltung mit „normalen“ Bürozeiten nicht leisten. Bevorzugt sollten Arbeiten von lokalen Firmen und Handwerkern durchgeführt werden, die schnell und unkompliziert erreichbar sind. Oft haben sie eine langjährige und emotionale Bindung an die Gemeinden. Lokale Vertreter vor Ort fördern diese Bindung.
  10. Die Anzahl der pastoralen Mitarbeiter sinkt und die Aufgaben der Ehrenamtliche steigen. Hier sollte geprüft werden, welche Aufgaben incl. einer Entscheidungsbefugnis auf Ehrenamtliche übertragen werden können. Dies eröffnet die Chance, mehr Engagement zu erzeugen. Bei uns gilt „wer schafft, bestimmt mit“ und „wer mitbestimmen kann, engagiert sich stärker“. Gerade wenn immer mehr Ehrenamtliche Aufgaben übernehmen sollen, muss genügend Entscheidungsfreiheit bestehen, sodass Kirche vor Ort nicht ohnmächtig erscheint, sondern Charakter und Anziehungskraft ausstrahlen kann.
  11. Heutige Menschen suchen nach neuen liturgischen und spirituellen Formen. Experimente in vielen Formen bereichern dabei bei uns das Gemeindeleben. Auch wenn der leitende bzw. moderierende Pfarrer in liturgischen Themen eine Weisungsmöglichkeit hat, darf dies nicht dazu führen, dass von denen Mensch vor Ort gelebte Formen per Veto untersagt werden. Es muss klar sein, dass Entscheidungen auch in diesem Bereich ein Miteinander erfordern und auf Augenhöhe erfolgen müssen. Dies sollte rechtlich abgesichert sein.

Gerne auch können Sie uns für weitere Fragen kontaktieren.

Für den Kirchengemeinderat Schwaikheim/Bittenfeld

 

Pastorale Ansprechperson                                                   Gewählter Vorsitzender

Gemeindereferentin Sonja Hergert                                      Heinrich Leufen

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