Liebe Mitchristen,

Eine Kirche im Sinne Jesu Christi ist nichts, was mal entstanden ist und unverändert so bleibt. Eine Kirche im Sinne Jesu Christi wandelt sich, geht auf den Menschen zu, holt den Mensch dort ab, wo er gerade ist. Dazu muss Sie sich an die Gesellschaft und die Zeit anpassen. Denn ihr Ziel ist es, die Menschen im Heute zu erreichen, heute wirksam zu sein. Die Kirche darf die Augen nicht vor den Zeichen der Zeit verschließen, sondern muss sich aktiv verändern um die Botschaft des Glaubens zu bringen.

Und genau das passiert zurzeit in unserer Diözese – die Zeichen der Zeit erkennen, sich auf den Kern der Botschaft konzentrieren und sich verändern.

Veränderung bedeutet auch immer Gewohntes loszulassen, Ängste und Sorgen kommen hoch. Veränderung bedeutet ebenso Neuanfang, neues zu entdecken, kreativ zu sein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Doch was hat das mit uns hier und heute zu tun?

Wie sie aus der Presse oder auch aus dem Miteinander im Advent entnommen haben, werden die Strukturen an die Erfordernisse der Zukunft angepasst. War es im letzten Jahr noch ein unscharfer Nebel, so lichtet sich dieser langsam - konkrete Ideen, Entscheidungen und auch ein Zeitplan sind nun sichtbar. Alle Infos und weiteren Details haben wir hinten in der Kirche aufgehängt, sodass wir uns nach dem Gottesdienst darüber austauschen können.

Bevor wir nach vorne blicken, lohnt sich ein kurzer Rückblick. Viele fragen sich: Warum braucht es diese Veränderungen? Kann nicht alles so bleiben, wie es ist? Schließlich hat vieles bisher funktioniert – auch ohne leitenden Pfarrer vor Ort. Und die Finanzmittel waren auch immer ausreichend.

Die ehrliche Antwort lautet: Nein, es kann nicht so bleiben. Die Rahmenbedingungen haben sich tiefgreifend verändert. Die Zahl der Kirchenmitglieder wird in den kommenden Jahren um 30% sinken, ebenso werden die finanziellen Mittel und die Zahl der Priester und pastoralen Mitarbeitenden um 50% sinken. Bereits im kommenden Jahr werden unsere Zuweisungen um 30.000 € reduziert. Die Bedürfnisse der Menschen haben sich verändert, wir erreichen leider immer weniger Menschen. Es wird ein stärkerer Einfluss von Laien und Frauen in der Kirche gefordert.

Es ist gut, dass der neue Bischof Klaus Krämer aus Leutenbach die Herausforderung annimmt und sich gemeinsam mit uns auf den sicher schweren Weg macht. Im Vorfeld der Entscheidungen, die getroffen wurden und noch zu treffen sind, sind viele Menschen und Gremien nach ihrer Meinung gefragt worden. Verschiedene mögliche Szenarien konnten bewertet werden, Verbesserungsvorschläge konnten eingebracht werden.

Entschieden wurde bereits, dass aus über 1000 Gemeinden, die bisher rechtlich selbständig waren, nun 50 - 80 sogenannte Raumschaften gebildet werden. Das wird sehr große Einheiten ergeben mit bis zu 20.000 - 30.000 Katholiken. Für das Dekanat Rems-Murr bedeutet dies die Aufteilung in 2-3 Raumschaften. Mögliche wären da z.B. Waiblingen mit Fellbach, Schorndorf mit Rudersberg und Winnenden mit Backnang. Dies sind aber erst Überlegungen, denn noch ist nichts endgültig festgelegt.

Die Kirchengemeinderäte aus Schwaikheim/Bittenfeld, Leutenbach und Winnenden haben dazu ihre Stellungnahme an das Dekanat und nach Rottenburg geschickt. Darin haben wir unsere Sorgen, Wünsche und Anregungen formulier, damit die Kirche vor Ort mit ihrer Gemeinschaft und dem gelebten Glauben auch in Zukunft lebendig bleibt. Wir sprachen uns alle für ein Zusammengehen mit Backnang aus – in guter Zusammenarbeit mit Pfarrer Beck, der unsere Arbeit unterstützt und schätzt. Mit ihm ist es ein gutes Miteinander auf Augenhöhe.

Unser Antrieb hier ist die Seelsorge für den Menschen, das Leben der Gemeinde vor Ort, Hier füreinander da sein, sich kümmern. Sie fragen sich, wie soll das gehen, wenn die Raumschaften so groß werden?

Es ist klar: Kirche vor Ort wird künftig noch stärker von engagierten Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden getragen. Priester bleiben wichtig – insbesondere für die Seelsorge. Aber sie sind nicht das Zentrum und bestimmen nicht die Gestaltung der Gemeinde vor Ort. Es wird weiterhin Ansprechpartner vor Ort geben. Laien werden mehr Entscheidungshoheit bekommen.

Bei den Finanzen gilt: Die Raumschaft ist der Verwalter und achtet auf das Ganze – und zugleich sollen die einzelnen Gemeinden weiterhin Gestaltungsspielräume mit eigenem Budget behalten. Das wird vor dem Rückgang der Finanzen Diskussionen erfordern. Aber es ist auch eine Einladung zur Kreativität.

Bei den Ehrenamtlichen hilft eine verstärkte Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen oder Gemeinden, um gute Angebote zu ermöglichen.

Wir werden uns fragen müssen:

All das braucht Mut, Fantasie und Vertrauen. Beim Klausurwochenende im Februar werden wir uns diesen Fragen intensiv widmen.

Und auch wenn manches zunächst beängstigend klingt: Es gibt viele Gründe, hoffnungsvoll nach vorne zu schauen.
Wir sind hier seit dem Weggang von Pfarrer Warmuth vor 5 Jahren darin geübt, unsere Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Unsere Ehrenamtlichen sind diejenigen, die das Gemeindeleben vor Ort lebendig gestalten.

Wir haben einen guten Stamm an Wortgottesleitern, die für uns Gottesdienste und andere liturgische Formen anbieten. Es zeigt Vielfalt und auch die Freude am Experiment.

Wir haben viele Jugendliche, die die Jugendarbeit leisten und sich bei Erstkommunion und Firmung einbringen.

Wir arbeiten auf der Ebene der Seelsorgeeinheit bei Erstkommunion, Firmung und Taufe eng zusammen.

Wir haben Ehrenamtliche, die Beerdigungen leiten und somit näher an die Menschen kommen.

Wir haben über die Jugendreferentin einen Profi, der die Jugendarbeit organisiert und für eine hohe Qualität sorgt.

Wir haben damit gestartet, die Ehrenamtlichen aus den einzelnen Gemeinden miteinander zu verknüpfen, wie z.B die Wortgottesdienstleiter oder die Kindergottesdienste.

Wir haben auch das Format des SE-Gottesdienstes geändert, um mehr Verbindung zueinander zu erleben.

Das alles sagt mir, wir sind jetzt schon auf dem Weg in eine größere Einheit. Nun gilt es, einen Schritt weiter zu gehen.

Wie ist nun der Zeitplan?

Im Januar wird im Dekanat eine Steuerungsgruppe gebildet, die die Kriterien für die Ausgestaltung der Raumschaften definiert.

Die Kirchengemeinderäte machen bis zum Mai Vorschläge für die Neuordnung.

Bis November 2026 erfolgen weitere Abstimmungen mit dem Dekanat und der Diözese. Im Dezember dann wird der Bischof in Person basierend auf den Empfehlungen über die neuen Raumschaften entscheiden. Er wir das letzte Wort haben.

In den Jahren 2027 bis 2029 werden dann die Zusammenlegungen mit allen erforderlichen Änderungen in Leitung und Finanzen vollzogen.

Durch das beherzte Herangehen des Bischofs stellen wir uns auf die Zukunft ein, erhalten das, was für uns wichtig ist. Das Ziel aller Beteiligten bis hinauf zum Bischof ist eine lebendige Gemeinde vor Ort. Dabei sind wir hier vor Ort die Menschen, die das gestalten, auf unser Engagement und unsere Kreativität kommt es an.

Ich möchte Sie also ermutigen, die Herausforderung anzunehmen und aktiv mit zu gestalten.

Wir würden uns freuen, wenn sie nach dem Gottesdienst die Gelegenheit nutzen, uns ihre Gedanken und auch ihre Sorgen mitzuteilen. Was ist ihnen wichtig? Gibt es Ideen, die wir aufnehmen können? Wo können Sie sich einbringen?

Der Kirchengemeinderat braucht Sie, damit wir gemeinsam die Zukunft in ihrem Sinn mitgestalten können.

Vielen Dank

Heinrich Leufen

Vorsitzender Kirchengemeinderat Schwaikheim/Bittenfeld


URL dieses Artikels:
https://schwaikheim.se-winnenden.de/69-startseite/1090-neue-strukturen-wie-ist-der-stand-wie-geht-es-weiter-info-11-januar.html